Meine englische Lady

Ja, ihr braucht nicht zu so zu schauen, ich habe eine Frau bin glücklich verheiratet, habe 3 Wundervolle Kinder und Schwiegerkinder und sogar 3 supersüße Enkelsöhne.
Außerdem darf ich mir eine Freundin leisten, eine wahrlich „englische Lady“ zunächst sehr unnahbar und schlagkräftig, nur langsam freunden wir uns an.
Meine Frau akzeptiert sie zwar schweren Herzens, aber was soll sie dagegen unternehmen? Nichts, sag ich da mal, hat ja so alles seine Vor- und Nachteile.

Sicherlich fragt Ihr euch warum ich mir eine Freundin zu legte?
Hmm, diese Vision hatte ich bereits in meiner frühesten Jugend. Einmal eine Freundin zu haben die mir zeigt wo es lang geht. Das es aber so heftig wird hatte ich bis dahin ich geahnt.
Die Vorgeschichte:
Als ich noch ein Hosenmatz von ca. 9 Jahren war, liebte ich etwas mit meinen Kumpels zu unternehmen. Testete schon in meiner frühesten Jugend ob ich mit Strom umgehen kann.
Krabbelte über ein Schuppendach und hielt mich ungeahnter weise an einer Stromleitung mit 360V fest, in der Annahme es sei nur irgendein Seil. Ich bekam einen Stromschlag und war so geschockt, daß ich mir schnell und ausgiebig die Hände wusch, ein Stromschlag war mir bis dahin noch nicht begegnet und völlig unbekannt.  Es war vielleicht ein Auslöser für meine spätere Berufswahl, aber das nur nebenbei. Ich tüftelte schon immer gern, installierte eine Telefonleitung zu meinem besten Freund aus Blechdosen, so konnten wir uns kurzfristig abstimmen. Meine Eltern kannte ich nicht, ich wuchs in einem Kinderheim auf. In der 5. Klasse kam ich von Strausberg nach Müllrose, es sollte mein ständiger Wohnsitz bleiben., dort war mein neues zu Hause direkt am großen Müllroser See. Das dortige Kinderheim hatte einen alten unsinkbaren Ruderkahn aus massiven Eisen -unsinkbar-von einem Schleppdampfer geschenkt bekommen, mit dem wir zum gegenüber liegendem Badestrand rudern konnten.
Eines schönen Tages, es war im Sommer kamen wir auf die Idee zu Segeln, wir hatten nur zwei Probleme welche wir lösen mussten.
Weder hatten wir ein Segel noch einen Mast. Guter Rat war teuer, mit meinen Kumpels dachten wir lange drüber nach wie wir zu unserem noch fehlenden Equipment kommen könnten.
 Endlich die zündende Idee, eine Decke als Segel, puh, passt. Für einen Mast fiel uns eine Gerüststange ins Auge, waren eh nicht all zu gerade.

Also machten wir uns bei Nacht und Nebel auf, wir ruderten über den See denn dort lagen das Objekt unserer Begierde, mit fast Hose voll kehrten wir zurück ans andere rettende Ufer mit unserem „Schatz“, endlich war auch dieses Problem gelöst.
Am nächsten Tag bekam der Mast noch sein fine Tuning er passte genau, wir waren Segelfertig, nun zogen wir stolz unser Segel bestehend aus einer Wolldecke am Mast hoch. Endlich, wir konnten Segeln, ein neues Abenteuer, etwas schwergängig aber wir segelten, herrlich.
Später schloss ich mich der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) an, ich war vielleicht 15Jahre, hier konnte man u.a. auch Segeln allerdings mit einem Kutter.
Die Jahre gingen ins Land ich wollte Geld verdienen, machte eine Ausbildung.
Heiratete, baute mir eine kleine Familie auf, wir bekamen unsere drei Kinder.
Jetzt legte ich mir ein Surfbrett zu und wir fuhren zu Regatten u.a. zum Parsteinsee, Helene See. Es war Zelten war angesagt, unsere Kinder waren begeistert. Sie waren erfreut, wenn wir mit unserem Trabbi, der war immer überladen losfuhren. Immer dabei, die Ersatzteile fürs Fahrzeug, das Surfbrett auf dem Dach, die 3 Kinder inkl. der Campingausrüstung, es war eine wunderbare Zeit.
Leider holte uns der Alltag immer wieder ein, ich kam immer weniger zum Segeln.

Mittlerweile sind unsere Kinder aus dem Haus, haben ihre eigene kleine und WIR, wir beziehen Rente und haben endlich Zeit. Meinen Traum vom Segeln hatte ich noch nicht aufgegeben. Ich recherchierte nach einem Boot im Internet. Es dauerte sehr lange bis ich auf den RSAero stieß. Er gefiel mir, da so leicht ist das man ihn auf dem PKW-Dach transportieren kann, das gefiel mir sehr. Nur ein Problem, es ist ein Einsitzer, sehr sportlich und „einfach“ zu fahren hieß es in den Berichten dazu.
Wie bringe ich das nur meiner besseren Hälfte bei, guter Rat war teuer. Denn gesurft ist sie ja auch, würde sie auch auf solch ein Boot steigen wollen?
Sie sah meine Begeisterung für dieses Boot, da ich mir sehr viele Videos fast täglich dazu ansah bis mitten in die Nacht.
Sie meinte nur, na dann kaufe doch so ein Ding. Sie möchte eh nicht mit segeln.
Aaahh, das war die „Freigabe“ für´s Boot, also neue Recherchen begannen, woher so eine Jolle bekommen?
Leider war diese Jolle zu dieser Zeit in Deutschland noch nicht so häufig zu bekommen. Es könnte also recht lange dauern.
Es verging eine Zeit, aber dann endlich war es soweit, in Berlin war ein altes gut gebrauchtes zu haben, ich rief an und wir kamen ins Geschäft.

Also Segelzubehör einschließlich Rettungsweste und Neopren- und Trockenanzug mussten her, ein teures Hobby.

Endlich wieder Segeln, ich freute mich außerordentlich als ich das erste Mal auf die Jolle stieg.
Nur gut das ich zu dieser Zeit nicht wusste, wie viele Stunden ich benötigen werde bis ich einigermaßen sicher auf der Jolle sitzen bleibe. Denn jedes Mal, wenn ich vom Wasser heimkam, fragte mich meine Frau was ich denn getan hätte, woher kommen die vielen blauen Flecke? Warum bist du so nass und unterkühlt?
Ich erklärte Ihr das mich meine „englische Freundin“, so bekam meine Jolle zunächst den Beinahmen, immer wieder abwirft wie ein bockiger Esel. Ich musste mir eingestehen, so allein wird das nicht mit meiner englischen Freundin.

Ich musste etwas ernsthaftes unternehmen, im örtlichen Segelverein, dem ich beitrat, konnte oder wollte mir keiner wirklich helfen, klar war sie segelten alle mit anderen Booten. Schade.

Im Internet fand ich jemanden der Segelkurse genau für die RSAero anbot, wir vereinbarten einen Termin und auf ging es nach NRW. Wir konnten im dortigen Segel-Club übernachten. Versorgung war auch gesichert.
Noch am ersten Tag musste ich an einer Regatta teilnehmen. Welch eine Aufregung, aber jetzt kann sagen es war gut so. Noch immer lerne hinzu und bin mit meinen Leistungen selbst schon recht zufrieden. Es kann nur noch besser werden.

Mir ist klar, ich werde nie erster werden und damit kann ich recht gut leben. Ich nehme an jeder Regatta teil und an fast jedem Training, weil es mir immer etwas bringt, hinzu kommt das die Gemeinschaft der RSAero – Truppe ist TOP wir fühlen uns wohl.