Meine Geschichte und wie ich zum Segeln kam
und dann noch mit so`nem "Flitzer" in dem Alter
Und dann noch mit so einem „Flitzer“ in dem Alter –
wie meine Segelkameraden sagen würden …
Mit etwa zehn Jahren war für mich klar: Ich will segeln. Nicht irgendwann – sofort. Zusammen mit meinem Schulfreund machten wir einen Plan.
Boot? Vorhanden: ein alter, schwerer, aber unsinkbarer Rettungskahn im Kinderheim am See.
Segel? Organisiert: ein ausgedientes Tuch von einem Verein.
Mast? Fehlanzeige.
Die Lösung fanden wir auf einer Baustelle auf der anderen Seeseite: ein passender Baumstamm. Also Nachtaktion. Mit dem Kahn rüber, verladen, zurück – immer in der Hoffnung, dass uns niemand erwischt. Es klappte.
Boot zusammengebaut, Segel dran, Mast gestellt. Am nächsten Tag kam Wind auf. Raus aus dem Windschatten, Segel hoch – und los. Keine Pinne, kein Schwert, nur Paddel zur Notlenkung. Kontrolle: mäßig. Begeisterung: maximal.
Ab da war klar: Segeln bleibt.
Jahre später …
Jahre später
Es vergingen einige Jahre. Nach der 10. Klasse begann ich eine Ausbildung und musste dafür meine Heimatstadt verlassen. Der Kontakt riss jedoch nie ab – meine damaligen Schulfreunde waren für mich mehr Familie als Bekanntschaft. An den Wochenenden zog es mich regelmäßig zurück.
Inzwischen war ich mobil: Mein ganzer Stolz war ein Moped vom Typ „Star“.
Langweilig wurde mir ohnehin nicht. Ich brachte mir das Gitarrespielen bei, schloss mich einer Band an und wir spielten in den Dörfern der Umgebung zum Tanz auf. Die Auftritte machten mir große Freude – Musik vor Publikum fühlte sich richtig an.
Bei meinen Besuchen in der alten Heimat traf ich oft Freunde, die ebenfalls musizierten – allerdings nur für sich zu Hause. Angesteckt von meinen Bühnenerfahrungen schlug ich vor, auch dort eine Band zu gründen. Der Plan gefiel allen.
Bevor wir auftreten durften, mussten wir allerdings die damals vorgeschriebene Einstufungsprüfung ablegen. Also ging es zur Musikschule. Rückblickend hatten wir wohl mehr Enthusiasmus als Feinschliff – dem zuständigen Lehrer haben wir einiges abverlangt. Trotzdem: Wir bestanden die Prüfungen.
Danach begann die eigentliche Arbeit. Ich kümmerte mich um Auftrittsmöglichkeiten in Gaststätten und Dorfsälen. Wir spielten überall, wo man uns ließ – bei gutem Wetter wie bei Regen, im Sommer wie im tiefen Winter. Hauptsache Bühne, Hauptsache Publikum.
In dieser Zeit lernte ich auch meine heutige Frau kennen – sie war die Schwester unseres Sängers und Gitarristen und häufig bei den Auftritten dabei, wie viele der Partnerinnen der Bandmitglieder. 1974 heirateten wir. Da ein eigenes Segelboot nicht realisierbar war, entdeckten wir beide das Surfen für uns. Eine Zeit lang besaßen wir zusätzlich ein kleines Segelboot vom Typ „Piraten“, doch mit wachsender Familie verlagerte sich alles wieder aufs Surfbrett, das auch unsere Kinder intensiv nutzten.
Wir reisten mit dem Trabi, später mit dem Wartburg, zu Veranstaltungen und zum Campen. Der Alltag wurde dichter: Die Kinder wurden größer, wir arbeiteten beide im Dreischichtsystem und sahen uns oft nur im Wechsel zwischen zwei Schichten oder am Wochenende. Meine Schwiegereltern, bei denen wir wohnten, unterstützten uns stark bei der Kinderbetreuung. Ohne diese Hilfe wäre vieles nicht möglich gewesen.
Mit der Zeit trat das Surfen immer weiter in den Hintergrund. Ich machte mich selbstständig, die freie Zeit wurde noch knapper.
Die Jahre vergingen – ohne Segel, ohne Boot.
So geht es weiter
Inzwischen sind unsere drei Kinder erwachsen, stehen fest im Leben, haben gute Berufe und eigene Familien. Dazu kommen drei großartige Enkelsöhne. Wir sehen uns regelmäßig – zu Wochenendtouren, beim Campen, zu Geburtstagen oder einfach ohne besonderen Anlass.
Meine Frau und ich sind mittlerweile im Ruhestand. Lange wollten wir das Wort „Rentner“ nicht akzeptieren – heute wissen wir: Rentner haben erst recht keine Zeit.
Mit ihrem Einverständnis habe ich mir noch einmal eine „kleine, schnittige Freundin“ zugelegt – eine englische Lady vom Typ RS Aero, gerade einmal 35 kg leicht. Laut Beschreibung: einfach zu handhaben und problemlos aufs Autodach zu laden. Genau das, was ich suchte.
Die Praxis war härter als die Werbung. Auf unserem See trainierte ich fast täglich. Statt Harmonie gab es anfangs Widerstand: Das Boot zeigte Charakter – und ich sammelte blaue Flecken. Die Lernkurve war steil, manchmal schmerzhaft. Mit der Zeit wurden wir jedoch ein Team. Heute reagiert sie zuverlässig – aber der Weg dorthin war Arbeit.
Nach rund einem halben Jahr intensivem Training entschied ich mich für einen speziellen Segelkurs mit genau diesem Bootstyp. Unterstützung aus dem Heimatverein reichte dafür nicht aus. Also suchte ich bundesweit – fündig wurde ich in Dortmund. Keine kurze Strecke.
Der Familienrat – also wir zwei – beriet die Lage und entschied: Wir fahren. Mit Boot. Daraus wurde mehr als nur ein Kurs – es wurde der Start in einen neuen Abschnitt. Aktiv bleiben statt zu Hause sitzen.
Schon nach den ersten Trainingseinheiten am Stausee wurde es ernst: Regattateilnahme. Ohne Schonfrist. Lernen im Wettkampf. Seitdem bin ich auf vielen Revieren unterwegs und segle regelmäßig Regatten, um Technik und Bootsgefühl weiter zu verbessern.
Inzwischen kamen Landesmeisterschaften sowie nationale und internationale Veranstaltungen dazu. Regatten führten uns quer durch Deutschland und ins Ausland. Wir waren auf zahlreichen Seen und Revieren unterwegs – mehrfach auch in Italien, außerdem in England und Frankreich.
Was noch kommt, wird sich zeigen. Der Plan ist einfach: gesund bleiben, aktiv bleiben, weitermachen. Solange Wind da ist, lohnt sich das Ablegen.

